TEST

Evolution eines Überfliegers

Der „Turbo“ 2009 von Wolfgang Zach

 

Alles Gute kann man noch besser machen – gilt das auch für den „Turbo“? Wie unterscheidet sich der neue „Turbo 2009“ vom Vorgänger „Turbo 2007“? Wurden die wenigen Kritikpunkte des letzten Tests beseitigt? Fragen, die einen neuen Test des „Turbo“ rechtfertigen. Das Modell war bei Wolfgang Zach schnell bestellt.

Die Lieferung erfolgte prompt nach zwei Wochen. Dass der „Turbo“ immer noch einer der günstigsten, wettbewerbsfähigen DLGs ist, hatte die Entscheidung zu dieser Investition positiv beeinflusst. Verpackt wurde der „Turbo“ in dem mittlerweile obligatorischen Karton mit dreieckigem Querschnitt. Vorteil: diese Verpackung ist nicht einzudrücken und Transportschäden an den empfindlichen Teilen sind so gut wie ausgeschlossen. Beim Öffnen kam als Erstes die neue Tragfläche zum Vorschein. Die sah nun doch deutlich anders aus als die aller anderen Zach-DLGs zuvor. Sie war komplett mit einem dünnen, durchscheinenden und weißen Lack überzogen. Dieses hatte natürlich einen Grund, denn die rein optische Oberflächengestaltung ist Wolfgang Zach eigentlich weniger wichtig. Alles dient dem Zweck der evolutionären Verbesserung der Funktion und der Flugeigenschaften. Der Grund in diesem Falle war das Verschließen der Oberflächenporen, die sich mit der reinen Verwendung von Harz nicht realisieren ließ. Schön, dass die Tragfläche dadurch nicht schwerer wurde. Ganz im Gegenteil, die Fläche war mit 126 Gramm sehr leicht, sodass mit einem Abfluggewicht von 260 bis 270 Gramm zu rechnen war. Gebaut wurde die Tragfläche in der so genannten „Disser“-Bauweise, also mit um 45 Grad zueinander verlegten Versteifungsrovings unter der Decklage. Schade war allerdings, dass man im Randbogenbereich etwas zu viel Gewicht eingespart hatte. Ein Auffüllen mit Schaum oder Harzgemisch hätte bestimmt den Riss vermieden, der beim Aufstellen des Modells auf den Randbogen entstand. Die erforderliche Reparatur mit anschließendem, sehr dünnem Lackauftrag hatte zum Glück das Gewicht nicht erhöht, aber einiges an Arbeit generiert. Im späteren Flugbetrieb war nichts von der Reparatur zu merken. Daraufhin angesprochen erwiderte Wolfgang Zach, dass die ersten Tragflächen der Serie noch kein Microballoon-Harz-Gemisch im Randbogen besaßen. Dies wäre jetzt aber Standard.

Im Vergleich zu manchen Mitbewerbern hat der „Turbo 2009” relativ wenig V-Form, was – vorab gesagt – wenig Auswirkungen auf die sehr guten Kreisflugeigenschaften des Modells zur Folge hat. In der Zeit von 2007 bis 2009 gab es viel Bewegung in der F3K-Szene. Es gab zum Beispiel einige neue Tragflächenkonzepte, die zum Teil nicht mal ein Jahr überdauerten. Eine stärkere Pfeilung wurde bereits 2006 im „Turbo“ verwendet und wieder verworfen. Der „Turbo 2009” hat nun eine elliptische Tragfläche ganz ohne Pfeilung mit einer Fläche von etwa 22 Quadratzentimetern. Viele Mitbewerber verwenden Profilstraks von Mark Drela, so auch Wolfgang Zach. Er hat die Unterseite allerdings so modifiziert, dass der Widerstand bei ca=0 reduziert wird. Das hat den Vorteil, dass beim Wurf und bei leicht unterschnittenen Flugzuständen höhere Geschwindigkeiten erreicht werden. Eine weitere, wesentliche Eigenschaft des Profilstraks ist auch, dass die Abstimmung im Kurvenflug, speziell beim Stützen durch Querruder, optimiert wird. Nun zum Rumpf: DLG-Rumpfkonstruktionen kann man grob in zwei Lager aufteilen: die mit Rumpfboot und separatem Rohrkonus als Leitwerksträger und die am Stück laminierten Exemplare. Nachteilig bei der ersteren Methode ist, dass man sich verstärkt Gedanken über eine nachträgliche, optimale Befestigung des Leitwerkträgers im Rumpfboot machen muss. Wolfgang Zach hat diese Methode mittlerweile zur Perfektion optimiert, denn das Rumpfrohr ist bis zur vorderen Flügelverschraubung durchgehend und die Verbindung hielt bislang den Kräften beim Wurf locker stand. Der Vorteil der mehrteiligen Rümpfe ist, dass man zugekaufte Rumpfrohre verwenden kann, die in der Regel günstiger herzustellen sind und die mehr Freiheitsgrade beim Experimentieren ermöglichen. Wolfgang Zach bietet übrigens den Service, defekte Rumpfteile auszutauschen. Was mit einem durchgehenden Rumpf nicht möglich wäre.

Den 2009-er „Turbo“ kann man auch speziell mit einem extra verstärkten Rumpfrohr bestellen. Es zeichnet sich durch eine zusätzliche Umwicklung mit einem Roving aus, sodass die beim alten „Turbo“ noch vorhandene Alu-Ummantelung weichen musste. Das neue Rumpfrohr wurde dadurch nun wirklich sehr biegesteif und komischerweise kaum schwerer als das ältere Exemplar. Der 2007-er „Turbo“ hatte beim Start des Öfteren ein „Flapp“-Geräusch von sich gegeben. Dieses resultierte aus eben der Deformation des Leitwerksbereiches, die auch ein kurzes Flattern des Pendelhöhenruders induzierte. Der 2009-er ist beim Wurf, abgesehen von einem leichten Rauschen, absolut geräuschlos. Hohe Würfe gelingen besser, weil sich das Modell weniger verformt. Ein weiterer Grund für Instabilitäten beim Wurf ist ja auch die Flächenverschraubung am Rumpf. Die Flächenverschraubung beim „Turbo 2009“ erfolgt mit „Spax“-Schrauben in ein Harz-Microballoons-Gemisch. Ent- gegen der Vorgehensweise beim 2007-er Modell hatte ich mich diesmal auf diese Befestigungsweise eingelassen, und: es hält tatsächlich! Weiter im Karton gesucht, kam die Aufstecknase zum Vorschein. Sie besteht aus einer dünnen Kevlar-Lage, was eine bessere Bruchsicherheit und Abrasionsresistenz bei der Landung auf rauem Boden bietet, als beispielsweise reine Kohlefaser. Weiterhin darf man die Kevlarnase in Verbindung mit den kurzen 2,4-GHz-Antennen verwenden, dämpft sie doch die Signalübertragung nur unwesentlich. Leitwerke und Konzeption des RC-Einbaus unterscheiden sich nicht von der 2007-er „Turbo“-Version. Hier gab es ohnehin nur wenig zu verbessern. Um einer eventuellen Flatterneigung der Leitwerke vorzubeugen, kann man statt einer, zwei Torsionsfedern beidseitig einbauen. Der Bereich der Torsionsfedern in den Leitwerken sollte Hersteller seitig verstärkt werden, denn die Federkraft ist in der Lage, das Leitwerk auf Dauer leicht zu deformieren.

Wie schon 2007 kamen vier „Dymond D-47“-Servos von Staufenbiel in die Rumpfnase. Als Empfängerakku wurden wieder vier Zellen 350 mAh GP-NiMH gewählt, die „kunstvoll” in die Nase eingebracht wurden. Die Wahl des Empfängers fiel auf einen Schulze-“Alpha 8“, dessen Antenne verlängert wurde und am rechten Randbogen mit einem kurzen Stahldraht ausläuft. Diese Antennenverlegung erwies sich bis zur Sichtgrenze trotz Kohlerumpf und Disser-Tragfläche als absolut störungsfrei. Wichtig ist, dass die Antenne nicht parallel zu Rovings oder anderen Kohleteilen verläuft, sondern – wenn möglich – senkrecht. Um den Schwerpunkt von 80 Millimetern zu erreichen, waren dann noch fünf Gramm Blei erforderlich. Das Gesamtgewicht des Modells blieb damit unter der 270-Gramm-Marke.
 


Im Vergleichsfliegen mit anderen aktuellen Wettbewerbsmodellen war der „Turbo 2009“ in der Thermik und nun auch in der Streckenflugleistung stets vorne mit dabei


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Blitzeblanke und gut gemachte Teile kennzeichnen den Bausatz von Wolfgang Zach


Die Anschlüsse der Leitwerke für die Montage auf dem Rumpfrohr sind gut passend


Detailstudie der Flügelmitte. Das durchscheinende Dissergewebe ist gut zu erkennen

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Sieht wild aus, ist aber alles in bester Ordnung. Beim RC-Einbau im Rumpf geht es eng zu

Fakten

„Turbo 2009“ von Zach

Spannweite: 1.500 mm
Länge: 1.100 mm
Gewicht: 270 g
Fläche: 23 qdm
Flächenbelastung: 11,7 g/qdm

Ruderausschläge:
Höhenruder: +/- 10 mm
Seitenruder: +/- 10 mm
Querruder: -15/+5
Landeklappen: +60°
Schwerpunkt: 80 mm

Preis: 370,- Euro (Disser-Fläche); Bezug bei Wolfgang Zach, Tel. +43/664/9218878, E-Mail: zach.wolfgang@gmx.net

Nun konnte es zum Fliegen gehen: Wie schon angedeutet, hatte die etwas geringere V-Form keinen negativen Einfluss auf die Kreisflugeigenschaften. Die Größe der minimalen Kreisradien ließ sich prima über die Zumischung von Wölbung auf Höhenruder (Snap-Flap) dosieren. Bei viel Snap-Flap betrug der minimale Kreisradius nicht mehr als einen Meter. Das konnte auch schon der 2007-er „Turbo“ gut. Eine Stufe besser ist jetzt aber das flache Kreisen fast ohne Höhenverlust. Dies ist eine Eigenschaft, die gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann, denn sie hilft ungemein, sich in der Thermik von anderen Segelflugmodellen abzusetzen. Bei sehr schwachen Bedingungen sind die Abgleitzeiten sehr gut und in den Kurven wird kaum Höhe verschenkt. Große Kreise lassen sich auch nur mit dem Seitenruder fliegen. Dann bleiben Profil und Anstellung der Tragfläche im Luftstrom konstant und im optimalen Bereich. Kombiniert mit der noch einmal verbesserten Streckenflugleistung und dem Geschwindigkeitszuwachs beim Wurf ist das ein echter Gewinn, vor allem im Wettbewerb. Im Vergleichsfliegen mit anderen, aktuellen Wettbewerbsmodellen war der „Turbo“ in der Thermik und nun auch in der Streckenflugleistung stets vorne mit dabei, eben ein echter „Überflieger”. Der „Turbo“ ist damit für mich der Spitzenreiter in Sachen Gutmütigkeit und verhilft auch nicht so geübten Piloten zu raschen Erfolgen in der Thermik. So mancher Anfängersegler ist deutlich schwerer zu handhaben und dabei bei weitem nicht so dynamisch. Auch Robustheit und Absturzfestigkeit sind deutlich besser als erwartet, haben aber naturgemäß, durch den filigranen Aufbau des Modells, ihre Grenzen.

Der Preis für einen kompletten „Turbo“ und die relativ kurzen Lieferzeiten stellen momentan wohl ein Alleinstellungsmerkmal in Kreisen der wettbewerbs- fähigen DLG-Modelle dar. Auch das Angebot des Reparatur-Services und die umfassende Verfügbarkeit von Ersatzteilen sprechen für den „Turbo“.

Volker Kaul Fotos: Tobias Pfauter, Volker Kaul

 


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