Große Elektrosegler, also jenseits der drei Meter Spannweite, erfreuen sich steigender Beliebtheit. Doch bisher, so schien es jedenfalls, bot der Markt außer mehr oder minder vorbildgetreuen ASWs, DGs und diversen Ventus’ nicht viel an, was dem Freund von elektrifizierten Leistungs-Großseglern gefallen könnte.

Das änderte sich jedoch mit der Nürnberger Spielwarenmesse 2002: Blue Airlines präsentierte seinen „Albatros“, einen 5-m-Segler guter Machart und mit fantastischem Aussehen. Und nur wenige Monate später legte Sun-Corner aus Laichingen mit „Vortex“ ebenfalls ein Modell dieser Größenklasse nach, gab dann aber den Vertrieb an ACT-Europe, Neuenbürg, ab.


Oben der „Albatros“ und unten der „Vortex“ im Flug. Beide sind so stabil gebaur, dass man sie auch mal „kommen lassen“ kann


Michael Gerst, seines Zeichens Hotlinerpilot und Seglerfan, nahm sich den „Albatros“ zur Brust: Die rohbaufertigen Teile wurden zuerst auf die Waage gelegt: Rumpf 790 g, Tragflächenhälften 1.590 g und 1.560 g, Höhenleitwerk 150 g, Seitenruder 50 g, Flächenstahl 320 g, Verschraubung 30 g, Kabinenhaube 90 g, Servobrett 50 g und die übrigen Kleinteile 150 g. Summa summarum also 4.780 g. Die Tragflächen sind enorm biege- und torsionssteif, bedingt durch die sehr großzügige Verwendung von Carbon. Der Rumpf ist stabil und angenehm leicht. Die exakte Flächenverbindung passt saugend, mit einem geschliffenen 16-mm-Rundstahl. Auch die Randbögen sind durch reichlich Harz sehr stabil. Im Laufe der Fertigstellung gab es beim „Albatros“ nur ein paar ganz wenige Kritikpunkte:
· Das Höhenruderservo wurde direkt im Höhenleitwerk eingesetzt. Die Anlenkung erfolgt also nicht über den werksseitig eingebauten Umlenkhebel. Dazu wurde das Leitwerk zwischen den Holmen ausgespart. So ergab sich eine sehr saubere, spielfreie und damit auch rückstellgenaue Anlenkung. Und das Servogewicht von 25 g verschlechtert die Gewichtsbilanz im Vergleich zum Umlenkhebel nur unwesentlich.


Auch Klaus Kraft ist von seinem großen Hotliner „Vortex“ begeister


Die Gewichtsangabe des Herstellers ist etwas untertrieben, aber absolut überflüssig, weil das Fluggewicht von knapp 7 kg sehr gut passt. Weniger Gewicht wäre auch nicht sinnvoll, denn wer will schon einen Riesen-Amigo fliegen?
· Die Schwerpunktangabe ist auf der sicheren Seite. Der Schwerpunkt kann ohne Problem um 10 bis 15 mm nach hinten verschoben werden.

Als RC-Komponenten wurden am Höhenruder ein HS-85MG Hitec und am Seitenruder ein C-5077 von Graupner verbaut. Auch die Querruder bekamen je ein HS-85 und die Wölbklappen je ein C-5077. Die Störklappen werden nun von je einem HS-81MG bedient. Als Empfänger wurde der „DSQ 8“ von ACT verwendet. Eine Doppelstrom-Versorgung mit zweimal vier TwiCell-NiMH 1.700 mAh mit Eigenbau-Akkuweiche übernimmt die Versorgung.

Annähernd zeitgleich baute Klaus Kraft, bisher nur als Hersteller der LRK-Motoren „Torcman“ bekannt, den „Vortex“ zusammen. Das 4.280 mm große Modell wird mit einem dreiteiligen Flächensatz geliefert, vollflächig mit Carbongewebe armiert. Wie heute eigentlich marktüblich sind auch hier die Querruder, Wölbklappen und die 370 mm langen Störklappen fertig gebaut. Der GFK-Rumpf ist gewissermaßen das Glanzstück am Modell: Großzügige CFK-Verstärkungen, ein komplett eingebauter Seitenleitwerksabschluss und sogar ein CFK-beschichtetes RC-Brett sind herstellerseitig vorhanden.Und die Bowdenzüge sind auch schon drin.


Das einteilige Höhenleitwerk des „Albatros“ ist als T-Leitwerk ausgelegt und wird in eine profilierte Auflage eingeschraubt


Das Brett ist klappbar ausgeführt, darunter finden Flugakku und Regler Platz



Der kurz gebaute Kontronik-Antrieb passt ohne Mucken in die Nase des „Albatros“ – es war aber auch nicht anders zu erwarten. Man beachte die Doppelstromversorgung. Und das Variometer von Thommy fand auch noch Platz

FactBox

Bezug:
Blue Airlines
Tel.: 07150/912391
Internet: www.blue-airlines.com


Der Torcman 430/30-21 wurde mit einer Wellenverlängerung in den Rumpf eingebaut


Für 30 Zellen ist genügend Platz in dem geräumigen Rumpf


Die selbst gebaute Steckbrücke für den Anschluss der drei 10-Zellen-Packs an den Regler schafft Sicherheit und Übersichtlichkeit


Die Flächengeometrien der beiden Probanden im Vergleich

Außerdem bietet ACT nun auch günstige RC-Einbausets dazu an und im Gegensatz zum „Albatros“ (T-Leitwerk) hat der „Vortex“ ein zweiteiliges Kreuzleitwerk, ausgeführt als Pendelruder mit vollständig eingebauter Steckung. So überraschte es dann auch niemanden, dass die Fertigstellung des „Vortex“ ebenso schnell vonstatten ging. Ausgerüstet wurde das Modell dann mit den neuen Hitec-Flächenservos HS-125 MG. Mit 30 Zellen und einem LRK-Motor „Torcman 430/30-21“ sollte das 6,8 kg schwere Großmodell bewegt werden.

An einem kalten und windigen Tag im Oktober trafen sich schließlich Michael Gerst, Klaus Kraft und Philipp Gardemin zum gemeinsamen Fliegen der beiden Probanden. Der „Albatros“ war als Erster an der Reihe: Der Handstart ist vom Piloten selbst sehr sicher durchzuführen. Die Klappen leicht positiv gesetzt und der „Albatros“ sackt nicht durch. Der Kreisflug ist stabil, für Schräglagen von ca. 45 Grad sind kaum Korrekturen erforderlich. Natürlich sollten hier die Klappen entsprechend positiv gefahren sein. Erst bei noch größerer Kurvenneigung muss abgestützt werden. Die Streckenflugleistung ist dank der hohen Streckung von 25 enorm. Der „Albatros“ schreit geradezu danach, großräumig geflogen zu werden. Dennoch, das Handling entspricht eher einem deutlich kleineren Zweckmodell.

Ähnlich Positives gibt es zum „Vortex“ zu berichten: Mit sattem Zug geht das große Modell aus der Hand und legt einen kräftigen Steigflug vor. Nach nur 15 Sekunden Motorlaufzeit ist eine deutliche Ausgangshöhe erreicht. Im Segelflug dann zeigt sich der Hochleister: Anhand der Wölbklappen lässt sich der „Vortex“ in jede Flugdynamik bringen, die vom Piloten gewünscht ist. Die erreichbare Geschwindigkeit im Bahnneigungsflug ist enorm, auch setzt das Modell diese Geschwindigkeit wieder gut in Strecke und Höhe um.



Das hohe Seitenleitwerk ist sehr markant am „Vortex“. Die Pendel-Höhenleitwerke werden seitlich angesteckt

Auch die obligatorischen Festigkeitsprüfungen bestanden die Probanden problemlos: So ist die Tragfläche des „Albatros“ schon fast überdimensioniert, Durchbiegung und Flattern sind Fremdwörter. Dementsprechend macht auch der Kunstflug viel Spaß. Unterstützt wird dies zusätzlich durch die sehr gute Querruderwirkung. Durch Zumischen der Wölbklappen ist der Albatros sehr wendig und im Gegensatz zu manchem Scale-Segler dieser Größenklasse äußerst agil. So auch der „Vortex“: Rasante Überflüge, schnelle Wenden und ausgedehnte Kunstflugeinlagen brachten nichts zum Flattern oder Durchbiegen.

Zur Landung dann mussten die beiden Edelvögel zeigen, was sie wirklich können. Die Wirkung der Störklappen im Albatros machen es dem Piloten leicht, punktgenau zu landen. Zusätzliches Butterfly ist nur für Landungen in sehr beengtem Gelände erforderlich. Der „Vortex“ will ein wenig weiträumiger angeflogen und dosiert heruntergeholt werden. Die Störklappen zeigen gute Wirkung, wesentlich genauer lässt sich jedoch mit dosiertem Einsatz von Butterfly arbeiten.
Alles in allem also sehr gelungene und vor allem wunderschöne Modelle. Das meinen auch die beiden Piloten. So spricht Michael Gerst über seinen „Albatros“: „Trotz aller Zahlen und technischen Angaben sollte der wichtigste Eindruck nicht auf der Strecke bleiben, nämlich der Spaßfaktor – und der ist enorm! Das Modell ist auf Grund der Größe sicherlich kein Alltagsmodell, aber auf jeden Fall alltagstauglich: Schnell aufgebaut, problemlos alleine zu starten und einfach zu fliegen. Und wer einen 3,5-m-Segler beherrscht, wird auch mit dem „Albatros“ seinen Spaß haben!“ Und Klaus Kraft kommt aus dem Schwärmen über seinen „Vortex“ kaum noch heraus: „Ein großer Hotliner mit toller Flugleistung. Die hochfeste Struktur erlaubt jedes Flugmanöver – ein tolles Showmodell für kräftige Antriebe.“
Redaktion

FactBox

Bezug:
ACT-Europe
Tel.: 07082/93174
Internet: www.acteurope.de



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